Die kahle Sängerin

die kahle sängerin m1DIE KAHLE SÄNGERIN
Zeche I. Bochum, Premiere 11. April 2014
Folkwang Universität der Künste
Schauspiel und Physical Theatre

 

Roderik Vanderstraeten hat mit Folkwang-Schauspielstudenten schon eine Kafka-Essenz in eine überzeugendes Stück Tanztheater verpackt. Es herrschte also kein Zweifel, dass sein Plan, Eugène Ionescos „Die kahle Sängerin“ ebenso frei in Bewegung aufzulösen, aufgeben würde. Am Wochenende war die wunderbare Choreographie in der Zeche 1 zu erleben.

„Die kahle Sängerin“ ist das Stück des Absurden Theaters, es steht für die Sinnlosigkeit des (bürgerlichen) Daseins, die Austauschbarkeit von Worthülsen und Identitäten. Mit ihrem Choreographen Roderik Vanderstraeten, der früher auch viel am Schauspielhaus gearbeitet hat, empfanden die Bochumer Schauspielstudierenden der Folkwang Universität die grobe (kreis-) Struktur von Ionescos Stück nach: Wie ein Spiegelbild des Publikums sitzen sie ihm am Anfang und Ende in Stuhlreihen gegenüber. Wie eingelagerte Kunstwerke mit weißen Tüchern bedeckt.

Zu skirrilem Leben erwacht
Als eine Art Reinigungskraft sie aufdeckt, erwachen sie zu skurrilem Leben und bewegen sich über die Bühne, als hätten sie die „Silly Walks“ der englischen Komikertruppe Monty Python genau studiert. In anderen Szenen erinnert ihr Spiel an die Simpsons – wenn der Feuerwehrhauptmann hinein kommt und gefeiert wird wie die Comicfigur Duffman.

Priester am Computer
Einige Spielszenen und Sprechtexte wie die Paardialoge der Smiths und Martins sind direkt aus der „kahlen Sängerin“ übernommen, andere Elemente kamen völlig neu dazu: So darf in der aktuellen Interpretation des Absurden Theaters die (NSA-)Überwachung nicht fehlen. Eine Art Priester sitzt an einem Computer und neben ihm ist das Bühnengeschehen als Überwachungskamera-Bild projiziert.

Obwohl das Geschehen auf den ersten Blick wie ein Bunt zusammen gewürfelter Reigen absurder Szenen wirkt, wird schnell klar, dass hier genau gearbeitet wurde und es wieder gelungen ist, die Essenz einer ganzen Theatergattung dichte Bilder und Bewegungen zu packen. Am Sonntag, 11. Mai, ist Vanderstraetens Version der „Kahlen Sängerin“ noch einmal im neuen Folkwang-Theaterzentrum im ehemaligen Thürmersaal zu sehen – und es bleibt zu hoffen, dass der Choreograph wieder öfter in Bochum arbeitet. (Max Florian Kühlem, Ruhr Nachrichten Montag, 14.04.2014)

Inszenierung, Choreographie und Bühne: Roderik Vanderstraeten
Training, Choreographische Assistenz und Choreographie: Roshanak Morrowatian
Licht und Visuals: Michael Habelitz

Studiengang Schauspiel Bochum – Physical Theatre Essen:
Miriam Haltmeier, Stefan Herrmann, Christina Jung, Michael Knöfler, Pola O ́Mara, Maximilian Pulst, Andreas Rother, Luana Velis, Benjamin Werner, Luca Zahn, Constantin Hochkeppel, Elisa Hofmann und Alejandra Jenni Palma.

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Fotos: Stefan Hartmann
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