H59 Session I. 2016

Harmonie59 Session I. 2016
Roderik Vanderstraeten (Music & Sounddesign)
Scott Roller (Cello/Electronics)
Manuel Loos (Drums/Percussion/Electronics)
Christoph Sauer (Contra Bass/E Bass)
Sasha Shlain (Keys/Fender Rhodes/Percussion/Electronics)
Ingmar Kurenbach (E-Guitar/Mandoline/Effects)
Michi Meier (Moog/Effects/Visuals)
Monika Golla (Klangkunst)

Produced by Roderik Vanderstraeten
Technical Support by Hees Audio and Tonetemple Jens-Peter Abele
Assistant Audio Engineer Lucas Buczilowski (SAE-Stuttgart)

Kunstort ELEVEN artspace
Frank Fierke & Monika Golla
Schulstraße 27, Starzach-Börstingen – Germany

Symphonie aus Klängen

Ein exklusives Konzert für acht Zuhörer gaben acht Tonkünstler im Studio von Roderik Vanderstraeten im Börstinger Kunsthaus. Die dabei entstandenen Aufnahmen wollen die Musiker in künftigen Projekten weiterverarbeiten. Dunja Bernhard Börstingen. Zwei Tage nahmen sich die acht Tonkünstler Zeit, um sich besser kennenzulernen und „nach Klängen zu forschen“. Der Initiator dieses Workshops Roderik Vanderstraeten studierte unter anderem Musik und Ballett. Als Sounddesigner arbeitet er europaweit für Tanz-, Schauspiel- und Filmproduktionen. Dabei knüpfte er Kontakte zu anderen Tonkünstler. 2013 rief er das Netzwerk „Harmonie59“ ins Leben, eine Plattform für musikalische Projekte und interdisziplinäre Musikproduktionen. Der Kontakt der Musiker besteht vor allem über das Internet. Am vergangenen Wochenende trafen sich acht von ihnen zum ersten Mal zu einer Live-Session. Cellist Scott Roller, Percussionist Manuel Loos, Allrounder Sasha Shlain, Tonkünstler Michi Meier, Bassist Christoph Sauer, Zupfinstrumentenspieler Ingmar Kurenbach und Klangkünstlerin Monika Golla hatten sich über Vanderstraetens Studio, das in einem Klassenzimmer der ehemaligen Börstinger Schule untergebracht ist, verteilt und ihre Klangerzeuger und sich herum aufgebaut. In der Mitte saß Audio Engineer Assistant Lucas Buczilowski. Er nahm die Session auf und sorgte für die richtige Aussteuerung. Auch die Zuhörer saßen über den Raum verteilt. Scott gibt auf dem Cello ein kurzes Motiv vor, das er in Loops wiederholt. Die gespielten Töne dringen jedoch elektronisch verändert an die Ohren der Zuhörer. Was dann folgt, lässt sich nur schwer in Worte fassen. Jeder der acht Künstler lässt sich zu Tonfolgen, Rhythmen oder Klängen inspirieren, die keiner Harmonik oder Tonlehre folgen. Alle Geräusche und Tone werden elektronisch über Lautsprecher wiedergegeben und zum Teil verändert. Eine Basssequenz von links, helle Zimbeln, das Knistern von Folie, eine Melodie auf der Mandoline, ein tiefes Wummern, Glocken von rechts. Alles ist voneinander inspiriert, auf einander abgestimmt. Mal kommt so etwas wie Harmonie auf, fast symphonisch wirkt das Zusammenspiel. Dann wieder verwirren die vielen unterschiedlichen Klänge. Die Zuhörer suchen mit ihren Blicken die Geräuschquellen, können sie jedoch nicht ausmachen. Ein neuer Ton lenkt ab. Das Erlebte ist mehr als Hören und Sehen. Hinzu kommt das Gefühl. Ein Teil des Ganzen zu sein und doch außen vor. Der Darbietung ausgeliefert, wo Lautstärke und Frequenz die Schmerzgrenze erreichen, und sich ihr doch nicht entziehen zu wollen, weil Faszination und Neugier, auf das, was als nächstes passiert, zu groß sind. Die Verständigung der Musiker erfolgt nur durch Blicke. Wenn die spontane Komposition auseinander zu fallen droht, greift Vanderstraeten dirigierend ein: Nur zwei Musiker zeigt er an – als Duett sozusagen. Daraus ergibt sich neue Inspiration. Percussionist Loos scheint es kaum erwarten zu können, sich einzubringen. Er kreist mit dem Mikrofon über unterschiedlich beschaffene Flächen, trommelt auf einer Gasflasche, zupft an aufgereihten Gabeln und streicht mit dem Geigenbogen über Metallstifte. Nach der einstündigen Darbietung sind Tonkünstler und Zuhörer erschöpft, aber um eine beeindruckende Erfahrung reicher. In der Pause blieb Zeit für ein Gespräch. „Was passiert, wenn ich diese Künstler zusammen bringe?“ habe er sich gefragt, sagte Vanderstraeten. Fast alle arbeiten für’s Theater – doch in der Regel, jeder für sich. Bei der Session mussten sie aufeinander reagieren. „Das ist ein Nehmen und Geben.“ Jeder bringe mit, was er erlebt habe und nehme etwas für seine zukünftige Arbeit mit. Die Idee, die dahinter stecke, sei, mit ihrer Musik die Welt zu erobern und das Paradies auszulösen, scherzte Scott. Der wahre Kern an seiner Aussage ist, dass Vanderstraeten die Session aufnahm und eine Bearbeitung veröffentlichen will. Soundschnipsel und Erfahrungen des Wochenendes werden die Künstler „von Börstingen aus in die Welt hinaustragen“. Für Monika Golla, die zusammen mit Frank Fierke den Kunstort Eleven gründete und belebt, ein faszinierender Gedanke.

www.harmonie59.org