Ida Herion

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A Trace Back Session – Ein Stück zur vergessenen Geschichte des Neuen Tanzes in Stuttgart

Ida Herion prägte mit ihrer Schule maßgeblich den Aus- druckstanz in Stuttgart. Derzeit entführen im Weißenburgpark zeit- genössische Tänzer in Nina Kurzejas Stück „Trace Back Session“ in den Sommer 1926, in dem die Aufnahmen für den Bildband „Getanzte Harmonien“ von Paul Isenfels entstanden.

Eine Zeit im Aufbruch
Zwei Sprecherinnen begleiten den Streifzug – mitten hinein in den Park und die 20er Jahre. Es waren „Tage voll südlicher Schönheit“, in denen die Aufnahmen entstanden, wie Paul Isenfels im Vorwort schwärmt. 1912/13 lässt Kunstmäzen von Sieglin das Teehaus und den Marmorsaal erbauen. Reform- und Freikörperkultur-Bewegung sind in, mit ihnen kommt der Ausdruckstanz auf. Ida Herion, am Kö- niglichen Konservatorium für Musik ausgebildet, richtete sich vor al- lem nach dem Bewegungssystem Hade Kallmeyers: Eine Wundertrommel im Park zeigt junge Frauen bei Übungen; auch andere Projektionen erwecken Wände, Hügel und den Standort des alten Tennisplatzes zum Leben. Tänzerinnen in weißen, luftigen Gewändern springen ausgelassen, schwingen Schleier. Licht, Luft, Leben, Land- schaftsliebe waren die Schlagworte, die Zeitschriften wie die „Schönheit“ verkündeten.

Gebrochene Ekstase
Im Marmorsaal angelangt, trifft das Publikum auf leibhaftige Tänzer (Marina Grün, Lena Schattenberg, Kira Senkpiel und Samuel Feldhandler), im Gegensatz zu Ida Herions Schülerinnen in Schwarz gekleidet. Zu einer Collage von Zitaten der Zeitzeugin Ulrike Bisch-off-Musshake, Klavierklängen und Percussion erproben sie die Positionen aus dem Bildband. Kopien daraus liegen den Zuschauern vor, auch Kopien alter Tanzprogramme Ida Herions teilen die Akteure aus.

Die zeitliche Distanz bleibt in der ausgeklügelten Inszenierung im- mer spürbar: Dem selbstvergessenen Taumel des Aufbruchs stehen abgehackte Sequenzen gegenüber; klassische Musik trifft auf den Klang von Gasflaschen, die Roderik Vanderstraeten bearbeitet. Die Ekstase der unbeschwerten Sprünge von damals brechen die Tänzer mit Bewegungen in Zeitlupe. Es ist auch eine Begegnung zwischen Alt und Jung, wenn sich die Pianistin Malvida Brandt, die mit Marina Müllerperth am Flügel sitzt, zu den Tänzern gesellt. Die Quellen von damals wirken bis heute: Noch immer kommen die Impulse aus der Körpermitte; bestimmend war und ist beim Aus- druckstanz der Rhythmus. Negatives spart das Stück nicht aus: Tänzer waren und sind auf Mäzene wie Sieglin oder im Falle der „Trace Back Session“ auf die öffentliche Hand angewiesen. Ida Herion lebte später in ärmlichen Verhältnissen, mit Tanz und Musik als Trost. So klingt die herausragende Vorstellung auch mit Schuberts „An die Kunst“ aus. (Stuttgarter Nachrichten, Von Abe, 29.10.2015)

Künstlerische Leitung: Nina Kurzeja
Dramaturgie: Bernhard M. Eusterschulte
Visuals: Uwe Kassai
Kostüme: Gitti Scherer
Sounddesign: Roderik Vanderstraeten
Assistenz: Pilar Murube
Plakatmotiv: Foto-Arthur Ohler//künstlerische Gestaltung-Sibylle Schwarz
Grafik: soldan-kommunikation
Technische Leitung: Ingo Jooss
Pianistinnen: Marina Müllerperth und Malvida Brandt
Tanz: Kira Senkpiel, Marina Grün, Lena Schattenberg, Samuel Feldhandler
Sprecherin: Ulrike Götz
Produktionsleitung: Gordana Ancic
Öffentlichkeitsarbeit: Nora Auth

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Foto: Yakup Zeyrek