King Arthur

King Arthur

KING ARTHUR
Staatsoper Hannover, Premiere 29. November 2011

Zwei verschiedene Völker, zwei verschiedene Lebensweisen – das riecht verdächtig nach Krieg. Und tatsächlich, zu Beginn des Stückes hat bereits eine blutige Schlacht stattgefunden: Mit Unterstützung des mächtigen Zauberers Merlin hat Arthur, König der Briten, Oswald, den König der Sachsen besiegt. Doch Oswald will die Niederlage nicht hinnehmen und lässt Emmeline, Arthurs blinde Verlobte, entführen. Ein neuer Kampf beginnt, der in gefährliche Territorien führt: Erd­-, Luft­- und Kältegeister huschen durch das Geschehen, locken die Protagonisten in todbringende Sümpfe und eiskalten Frost. Als Arthur und Oswald einander schließlich Aug in Aug gegenüberstehen und einen letzten Zweikampf führen, wendet sich doch noch alles zum Guten: »Peace, mortals, peace!« – mit diesen mahnenden Worten, mit denen der weise Merlin das Stück eröffnet hatte, endet es letztlich auch. Der Versuch einer gelebten Versöhnung schwebt als großer utopischer Gedanke über dem gesamten Werk.

Ursprünglich 1684 für das 25­jährige Thron-Jubiläum Charles II. verfasst, wurde King Arthur erst einige Jahre später, 1691, in London uraufgeführt. In enger Zusammenarbeit mit dem Librettisten John Dryden, der den Text neu bearbeitete, komponierte Henry Purcell ein Theaterstück mit Musik, eine sogenannte »Masque«. Gesprochene Dialoge und gesungene Passagen alternieren miteinander und verweben sich zu zwei einander ergänzenden Sprachen: Immer dann, wenn das gesprochene Wort nicht reicht, um die Atmosphäre zu schildern, immer dann, wenn extreme äußere und innere Zustände dargestellt werden, setzt die Musik ein. Brillantestes Beispiel dafür ist sicherlich die berühmte Frostszene, in der der Kältegeist Grimbald von Cupido in seiner inneren Erstarrung gestört wird. Sein Gesang stottert synkopisch vor Frost, die Streicher begleiten ihn klirrend­kristallin, die Musik ist zu Eis gefroren. In aller Deutlichkeit geht Purcells Komposition hier über Tonmalerei hinaus, lässt das Allegorische hinter sich und emanzipiert sich zu einer emotionalen Zustandsbeschreibung von Angst und innerer Kälte.

Jenseits des dem Entstehungsanlass geschuldeten Patriotismus, den das Werk durchaus auch repräsentiert, birgt Henry Purcells King Arthur zahlreiche aufregende Fragen: Wie viel Mythos braucht der Mensch? Wie entstehen Gewalt und Krieg? Warum ist Frieden so schwierig zu leben? Wie viel Vertrauen benötigt die Liebe, und warum ist sie nicht zu erzwingen? Was sind die heldischen Seiten in uns, und sind unsere unheldischen Charakterzüge nicht vielleicht viel interessanter? Gemeinsam mit Jugendlichen aus Hannover soll Purcells packendes Heldenepos neu beleuchtet und befragt werden.

Regie: Bernarda Horres
Musikalische Leitung: Siegmund Weinmeister
Musikalische Bearbeitung: Roderik Vanderstraeten
Bühne: Anja Jungheinrich
Kostüme: Alexandra Pitz
Licht: Reiner Brockelt
Dramaturgie: Sylvia Roth

Besetzung:
Arthur: Daniel Eggert
Oswald: Michael Chacewicz
Emmeline 1: Tiina Lönnmark
Emmeline 2: Denise Fischer
Emmeline 3 / Kriegerin: Neele Kramer
Krieger: Hyun-Bong Kil
Projektchor der Staatsoper Hannover
Extrachor der Staatsoper Hannover
Niedersächsisches Staatsorchester Hannover

Chor der Jugendlichen: Aileen Alber, Lynn Arabelle Alber, Felicitas Beine, Sena benti, Surra Benti, Adalet Cansi, hediye Cansi, Tahnee Lenz, Birte Kristin Lüderitz, Ronja Griesing-Scheiwe, Laura Überschär, Mila Weidelhofer, Frederike, Wiechmann; Giovanni Cardillo, Janik Eubling, Arved Friedemann, Harald Hein, Pascal Herter, Tobias Lüer, Tobias Pootz, Patrick Ramm, Adrian Schörghofer, Robin Uhr, Ewgeniy Ussach