MM – Die Ultimative Quiztanzshow

MM – DIE ULTIMATIVE QUIZTANZSHOW
Theaterhaus Stuttgart, Premiere 07. November 2002

Eine Quizshow in den 60er Jahren.
Dolores Bäcker, eine leicht verhuschte Frau aus einem Dorf im Sauerland stellt sich 10 Fragen zu ihrem Idol Marilyn Monroe, um ein Fernsehgerät als Hauptgewinn mit nach Hause zu nehmen. Der Verlauf der Quizshow gestaltet sich jedoch anders, als der routinierte Showmaster Heinz Rieder gewohnt ist. Dolores Bäcker verliert sich in ihrer Spurensuche. Realität und Traum verwischen.
Ist es der Mythos MM, der da tanzt, ist es Dolores Bäcker? Und wieso “tanzt” diese Frau überhaupt? Heinz Rieder scheint zunächst auf diese ungewöhnliche Situation zu reagieren, aber “the show must go on”!

MM-die ultimative Quiztanzshow ist ein intimes Kammerspiel, das von der einfachen Liebe einer Frau zu einem Star handelt und das Scheitern dieser Frau zeigt, innerhalb des Mediums Fernsehen, mehr erzählen zu wollen, als bloße Fakten.

„Mythos – aus diesem Wort lassen sich Mauern errichten, hoch genug, um ein Leben dahinter zum Verschwinden zu bringen. Norma Jean Baker ist schon lange nicht mehr sichtbar hinter dieser großen Projektionsfläche, von der herab bis heute, 40 Jahre nach ihrem Tod, das Bild einer ewig jungen, ewig erotischen Marilyn Monroe strahlt.

„MM – Die ultimative Quiz-Tanz-Show“ nennt die Stuttgarter Choreografin Nina Kurzeja ihr Stück, das Ende vergangenen Jahres im Theaterhaus Premiere feierte und jetzt wieder aufgeführt wird. Gemeinsam mit der Regisseurin Katja Prussas wirft Kurzeja einen kritischen Blick auf den Umgang des Publikums mit seinen Idolen. Die Tänzerin Pilar Murube (Theaterhausfoto) tritt als Quiz-Show-Kandidatin Dolores Bäcker auf und stellt sich den Fragen des öligen Moderators Heinz Rieder (Christian A. Koch). Ihr Thema: Marilyn Monroe.

Auf der Bühne verorten Design und Ambiente die Handlung in ein Fernsehstudio der späten 50er oder frühen 60er Jahre. Das Quiz aber ist alles andere als eine nostalgische Reminiszenz an Sendungen der Ära Rosenthal und Kulenkampff. Der Quizmaster entpuppt sich als ein moderner Folterknecht des Medienzeitalters. Fakten werden abgefragt, das ist alles. Ob das etwas mit Wissen zu tun hat? Für Dolores Bäcker alias Pilar Murube nicht. Aus dem Staccato des Frage-Antwort-Spiels bricht sie immer wieder aus, hält tanzend Zwiesprache mit ihrem Idol. So hingebungsvoll, dass Dolores und Marilyn nicht mehr voneinander zu trennen sind.

Der Quizmaster schlüpft dazu in die Rollen der jeweiligen Film- und Lebenspartner, so muss der Schauspieler Koch auch zum Tänzer werden. Auf der anderen Seite beweist die Tänzerin Pilar Murube ihr mimisches Können, und so funktioniert die Symbiose von Tanz und Schauspiel hervorragend. Sounddesigner Roderik Vanderstraeten lässt dazu eine Komposition erklingen, in der sich typische Klänge von Fernseh-Show-Jingles mit pochenden Beats und O-Tönen aus Filmen und Interviews mischen.

Am Ende hat Dolores Bäcker, die sich nicht an die Spielregeln hält, scheinbar verloren, zumindest was den Hauptpreis betrifft, und sie wird dazu noch vom Quizmaster bloßgestellt: Ein Star mit kurzem Verfallsdatum. Bloßgestellt wird auch das Publikum, das sich an derlei Spektakeln ergötzt. Nur der Mythos Marilyn übersteht den Abend unbeschadet und wird in einem großartigen Schlussbild wieder vorsichtig für die Ewigkeit verpackt, zeitgemäß in Frischhaltefolie.“ Andrea Gern

Konzept, Idee und Choreographie: Nina Kurzeja
Dramaturgie und Regie: Katja Prussas
Texte: Christian A. Koch
Musik und Sounddesign: Roderik Vanderstraeten
Bühne und Kostüme: Nina Kurzeja
Darsteller: Pilar Murube, Christian A. Koch

Fotos: Gudrun Bublitz