Silber

Silber

SILBER
Theater Osnabrück, UA 14. April 2007
Theater St. Gallen, Premiere 23. Oktober 2009

Nach Meinung Andy Warhols sollte jeder Mensch für mindestens eine Viertelstunde seines Lebens ein Star sein. In Warhols New Yorker «Factory» verkehrten die Idole der USA — und hier machte Andy Warhol seine eigenen Stars, zelebrierte und lebte er alle Klischees des American Way of Life: Mit Drogen, Exzessen, Körperkult gab sich Warhols Entourage den letzten Kick, überspielte Unsicherheiten, Enttäuschungen und persönliche Desaster. An diesem Tummelplatz von Lebensgier und Profilierungsterror entstanden die legendären Ikonen der Pop Art — Abbildungen von sachlichen und menschlichen Alltagsmythen, die heute zum Standard unserer Environments gehören: Cola, Marilyn, Dollarnoten. Andy Warhol forcierte das Sein seiner Superstars, von Joe Dallessandro, seinem Protegé John-Michel Basquiat und anderen — und er dokumentierte es mit der Kamera. Doch anders als in heute üblichen Aufzeichnungen, die Vorgänge im Rausch der Beschleunigung fragmentieren, dokumentierte Warhol Vorgänge in realen Zeiteinheiten. Er schärfte hinter dem Verfallwert der massenhaften Reproduktion das Bewusstsein für die Ästhetik des Banalen und den Variantenreichtum von dessen Reproduktion. Andy Warhol kann heute als erster Propagandist des Retro-Booms gelten. Silber wurde am 14. April 2007 im emma-theater in Osnabrück uraufgeführt. Die Enge der Spielfläche und die sich wie aus dem Nichts vergrössernden Airobjekte frankFIERKES schaffen auch im Studio des Theaters St.Gallen jene verringerte Distanz zum Darsteller, mit der Andy Warhol in seinen Filmen die Zuschauer konfrontierte und bedrängte. Die Tänzerinnen und Tänzer kokettieren als Superstars und Warhol-Ikonen auf einem schmalen Grad zwischen Entertainment und Authentizität.

Choreographie: Marco Santi
Komposition und Sounddesign: Roderik Vanderstraeten
Licht- und Luftobjekte: Frank Fierke
Kostüm: Marco Santi
Dramaturgie: Katja Prussas
Fotos: Bettina Stöß

Theater Osnabrück

Theater St. Gallen

Fotos: Roderik Vanderstraeten

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