Strike

Strike

STRIKE
Emma Theater Osnabrück, Premiere  17. April 2008

In dieser Nacht schlagen wir zurück.

Wie viele andere Jugendliche auch begeistern sich Remo und Anatol für „Counter-Strike“. Abend für Abend gehen die beiden online und spielen sich durch Maps, bekämpfen virtuelle Feinde und gegnerische Clans. Mit drei anderen, die sie aus dem Internet kennen, bilden sie die „Mystic five“. Gemeinsam zurückschlagen, wenn sie angegriffen werden – darauf kommt es in „Counter-Strike“ an. An diesem Tag, dem 30. April, treffen Remo und Anatol sich im Internetcafé „Citynet“ eines Einkaufscenters, um sich für einen E-Sport-Cup in Singapur zu qualifizieren. Allerdings ist es auch ihre letzte Chance, überhaupt noch einmal teilzunehmen, denn tags darauf tritt in Deutschland ein neues Gesetz in Kraft, das alle so genannten „Killerspiele“ verbietet und unter Strafe stellt. Anatol beschließt, sich auch im wirklichen Leben nicht alles gefallen zu lassen: “Zocken verboten, ja? Vielleicht wird übermorgen Atmen verboten. Oder Trinken. Aufs Klo gehen? Tut mir leid, hat die Regierung verboten. Ohne uns. Das sag ich dir, ohne uns. Jetzt kommt der Gegenschlag. In dieser Nacht schlagen wir zurück.“ Zusammen mit Remo will er sich in dem Einkaufscenter einschließen lassen, um wenigstens diese Nacht noch spielen zu können, denn keiner von beiden hat zuhause die Möglichkeit. Nur sehr widerwillig lässt Remo sich auf den Plan seines Freundes ein. Alles scheint gut zu gehen. In einem günstigen Moment entwendet Anatol die Schlüssel zum „Citynet“. Doch als der Ladenbesitzer den Diebstahl bemerkt und den Wachschutz alarmiert, sehen sich die Jugendlichen mit neuen Hindernissen konfrontiert. Anatol schmiedet einen zweiten, in Remos Augen wahnwitzigen Plan: nach Ladenschluss den Wachmann als Geisel zu nehmen. Damit gehen die Probleme erst richtig los. Immer heftiger geraten die Freunde aneinander, und als ihre Geisel plötzlich spurlos verschwunden ist, beginnt eine Flucht, die Anatol und Remo auf das Dach des Einkaufszentrums führt, das inzwischen von der Polizei umzingelt ist. In STRIKE! geht Lorenz Hippe von der gar nicht mehr so fiktiven Grundannahme eines deutschlandweiten Verbots der sog. „Killerspiele“ aus. Er zeigt, was diese Computerspiele und ihr Verbot für diejenigen bedeutet, die es unmittelbar betrifft. Dem Stück liegen Interviews mit Jugendlichen zugrunde, die regelmäßig Computer spielen. Ohne zu moralisieren rückt Lorenz Hippe zwei Jugendliche in den Blick, die sich wegen ihrer Spielleidenschaft von der Gesellschaft kriminalisiert sehen. Geschickt flicht er dabei gängige Elemente und Motive aus „Counter-Strike“, dem derzeit bekanntesten Ego-Shooter-Spiel, in sein Stück ein und lässt die Grenze zwischen Spiel und Realität verschwimmen.

Regie: Katrin Herchenröther
Komposition & Sounddesign: Roderik Vanderstraeten
Bühne & Kostüme: Winnie Schirmer
Dramaturgie: Tobias Vogt

Mit:
Anatol: Joachim Eilers
Remo: Simon Keel/ Alexander Jaschik