Oedipus

Oedipus

OEDIPUS
Theater Osnabrück, Premiere 14. Februar 2009

Er ist ein genetischer und moralischer Grenzgänger. Oedipus will einen grauenerregenden Orakelspruch ungeschehen machen: Seinen Vater werde er töten und seine Mutter heiraten. Oedipus verlässt Korinth, um seine vermeintlichen Eltern Polybos und Merope zu schützen. In Theben löst er das Rätsel der Sphinx und wird als neuer König der Gatte Iokastes, der Witwe des von einem Unbekannten erschlagenen Königs Laios. Jahre später kann Theben – so lautet ein weiteres Orakel – von einer Pest-Epidemie nur durch Rache am Mörder des Laios erlöst werden. Unwissend ermittelt der glückliche Familienvater Oedipus gegen sich selbst, die Entdeckung des Täters wird zum Fanal: Iokaste erhängt sich, Oedipus blendet sich und geht in die Verbannung.
„Blutsverwandter Knäul von Vätern, Brüdern, Söhnen ging hervor – von Töchtern, Frauen, Müttern und was sonst an Gräueln sich auf Erden finden mag.“. Oedipus ist schuldhafter Vollstrecker und schuldloses Opfer, er büßt für sich und die Vergehen des thebanischen Herrscherhauses: Nie hätte er geboren werden sollen, sein Überleben war vorbestimmt.

Die offenkundige Selbsttäuschung Oedipus’ und Iokastes in der Tragödie des Sophokles (ca. 427 v. Chr.), die schicksalhafte Zwangsläufigkeit im Film Pier Paolo Pasolinis (1967) und die eindrucksvolle Charakterstudie einer vom Leben enttäuschten Frau in Jean Cocteaus „Die Höllenmaschine“ (1934). Wie die Nachschöpfungen Pasolinis und Cocteaus thematisiert das Tanzstück die psychologische Dimension des Stoffes zwischen Zwang, Aufbegehren und Glücksuche: Gerade weil er es zu vermeiden sucht, entgeht der heimatlose Oedipus seinem Schicksal nicht. Aus tiefer seelischer Not sucht Iokaste in ihrer zweiten Zweckehe eine Erfüllung, die sie an die Grenzen des menschlich Erfahrbaren treibt.

Choreografie: Marco Santi
Komposition und Sounddesign: Roderik Vanderstraeten
Bühnenbild: Katrin Hieronimus
Kostüme: Katharina Beth
Videodesign: Kristian Breitenbach
Szenische Mitarbeit: Christina Dom
Choreografische Assistenz: Shannon Moreno
Kampfszenen: Jochen Wolframe
Dramaturgie: Roland Dippel
Dramaturgie-Hospitanz: Berit Jenztsch

Mit: Dagmar Bock, Jasmin Hauck, Hella Immler, Andrea María Mendez Torres, Cecilia Wretemark, Alberto Franceschini, Farley Issac Johansson, Mathis Kleinschnittger, David Schwindling, Paul Weismann/Uwe Kramer, Krzysztof Zawadzki
Gast-Ensemble: Midian Abeler, Marlene Schoppmeier, Cornelia Schröder, Natalie Sigg, René Hornstein, Abdullah Özmen

Fotos: Bettina Stöß